Geistige Fitness: stark veränderbar, aber wie?

 

 Es folgen die Abschnitte
 

  1. Bürger von Industrieländern: erheblicher Intelligenzanstieg in wenigen Jahrzehnten
  2. Wichtige Bedingungen liegen im körperlichen Bereich
  3. Oft wenig effektiv: Fernsehquiz oder Hochleistungsübungen
  4. Studien ohne Wirkungsnachweise zeigen uns, was nicht geht

 

 

 

 

Viele Personen haben ihre Probleme damit anzuerkennen, dass sich die geistige Leistungsfähigkeit prinzipiell stark ändern lässt und dass einiges dafür, zumal mit einfachen Mitteln getan werden kann, ein individuell hohes Niveau zu erreichen.
 

1 Bürger von Industrieländern: erheblicher Intelligenzanstieg in wenigen Jahrzehnten                                                                                                                             

 

Die starke Veränderbarkeit von Intelligenzleistungen hatte der Neuseeländer James R. Flynn für die meisten Industrieländer nachgewiesen. In dem von ihm mitgeteilten Zeitraum betrug die durchschnittliche Zunahme ungefähr drei IQ-Punkte pro Jahrzehnt. Das sind etwa 15 IQ-Punkte in 50 Jahren (http://de.wikipedia.org/wiki/Flynn-Effekt), 15 IQ-Punkte entsprechen in etwa der Differenz zwischen Universitätsstudenten und der "Normal"-Bevölkerung. Diese Intelligenzzunahme betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Senioren.

 

Sekuläre IQ-Zunahme
Noch steigt der IQ bei Senioren, aber nicht mehr bei Kindern

 

 

 

Allein diese Erkenntnisse zeigen schon, dass sich die geistige Leistungsfähigkeit stark ändern lässt. Ein davon unabhängiger Beleg kommt von einer schottischen Totalerhebung der IQ-Leistungen aller 11-Jährigen. Viele davon konnten als sie  etwa 75 bis 80 Jahre alt waren wieder getestet werden. Nicht wenige von ihnen hatten zwischenzeitlich starke IQ-Änderungen nach unten oder oben mitgemacht (mehr Einzelheiten siehe bei Lehrl & Sturm: Brain-Tuning, 2013). 

 

2 Wichtige Bedingungen liegen im körperlichen Bereich

 

fluide Intelligenzaufgabe
Aufgabe für fluide Intelligenz: zum Testen und Üben

 

Die bisherigen IQ-Änderungen ganzer Staaten geben aber noch keine eindeutigen Hinweise auf die Bedingungen. - Wichtige Einflüsse sind der SOMECO-Treppe zu entnehmen. Eine große Bedeutung wird den Qualitätsänderungen der Ernährung in Industriestaaten zugeschrieben.  

      

 

Lösung am Ende dieser Webseite 

 

3 Oft wenig effektiv: Fernsehquiz oder Hochleistungsübungen

Das, was viele Anbieter von Verfahren zur geistigen Leistungssteigerung vorschlagen, hilft eher wenig. Dazu gehören geistige Hochleistungstrainings z. B. mit Aufgaben aus Intelligenztests, außerdem Gedächtnistrainings, Wissensquiz und ähnliches. Das wurde in der Tradition der GfG schon früh erkannt. So lehnten Helmut Jeske und Udo Ehmke, die an der Entwicklung eines computerisierten Testsystems für Gehirn-Jogging beteiligt waren, für das damals ebenfalls so genannte "Zerebrale Jogging" bereits Hochleistungsanforderungen aus gut durchdachten Gründen ab.

 

Mehrere Studien zum adaptiven mentalen Training, die seit dem Jahr 2009 erschienen, weisen erhebliche Erfolge eines Hochleistungstrainings nach, wenn die geistigen Anforderungen in der Nähe der maximalen Leistungsgrenze gehalten wurden. Bei derartigen Übungen, die pro Tag zwischen etwa 20 und 30 Minuten lang dauerten, ergaben sich nicht nur Wirkungen in den geübten Aufgabenarten, sondern auch in anderen Aufgaben bzw. Alltagssituationen (Transfer). Außerdem waren die Effekte nachhaltig: sie ließen sich bei Nachuntersuchungen, die 3 bis 6 Monate nach der letzten Übungssitzung stattfanden, nachweisen. Demgegenüber erbrachten Übungen mit Aufgaben, die geistig deutlich unterforderten, keine bis geringe Effekte. Unter "AMT: der eigentliche IQ-Förderer" wird näher auf das adaptive geistige Training eingegangen. 
Hochleistungstrainings wurden bis zu den Studien zum adaptiven mentalen Training undifferenzierter gesehen. Soweit hierzu Studien durchgeführt wurden, überforderten sie - so der Verdacht - ihre Teilnehmer einerseits kurzfristig stark, indem sie bei weitem nicht erfüllbare Leistungen abverlangten und anderseits zu lang, so dass Ermüdungen und Erschöpfungen auftraten.

 

Wissenschaftler, die unter Gehirntrainings vor allem die Hochleistungstrainings oder Gedächtnis- bzw. Wissenstrainings verstehen, können überwiegend auch keine besonderen Wirkungen der zugehörigen Übungen finden. Damit bestätigen sie die Notwendigkeit der deutlich andersartigen Ansätze der Gesellschaft für Gehirntraining e. V. (GfG). Allerdings hat sie oft die Probleme, dass wenig informierte Wissenschaftler, Journalisten oder "Endverbraucher" häufig ihre Ansätze mit den oben erörterten verwechseln. Dies geschieht besonders oft, seit das von GfG-lern erfundene Wort "Gehirn-Jogging" in der Öffentlichkeit völlig seine Bedeutung geändert und mit den von der GfG propagierten Maßnahmen zur geistigen Leistungsförderung nicht mehr viel gemeinsam hat. Die GfG setzt sich zur Abgrenzung deshalb für das Arbeitsspeicher-Management ein.
 

Warum wird das Arbeitsspeicher-Management einem Intelligenz-Management gegenüber bevorzugt? Nicht nur, weil viele Personen empfindlich auf das Wort "Intelligenz" reagieren, sondern auch, weil das Konzept des Arbeitsspeichers gegenüber dem, besser denen der Intelligenz einige Vorzüge besitzt. Näheres dazu entnehmen Sie dieser Datei:

 

 

4 Studien ohne Wirkungsnachweise zeigen uns, was nicht geht

Es folgen Auseinandersetzungen mit pauschalen Bewertungen des Nutzens von Gehirntrainings bzw. Gehirn-Jogging in der Öffentlichkeit, die letztlich auf das auch von der GfG für viele ihrer Zwecke abgelehnte Hochleistungstraining abzielen:

 

Die ersten beiden Beiträge beziehen sich auf die "größte Gehirntrainings-Studie aller Zeiten", auf eine Untersuchung des Fernsehsenders BBC in Großbritannien. 52.617 Teilnehmer machten anfänglich mit. Nur 22 Prozent davon hielten durch, vor allem Frauen. Auf 5 weibliche kam nur 1 männlicher Teilnehmer.  

Die Erkenntnisse aus der Studie: Quizähnliche Fragen schreckten die Teilnehmer oft ab, und die eigentliche Fragestellung ließ sich nicht schlüssig beantworten. Aber sehen Sie selbst:  

Gehirntraining1


Bezug auf dieselbe BBC-Studie, aber von einem anderen Autor bewertet. Er gelangt zu ähnlichen Schlüssen wie der Autor zuvor:

Gehirntraining2


Wissenschaftler empfehlen kritische Prüfungen von "Hirnjogging"-Angeboten, stellen aber nicht alle Angebote pauschal in Frage. Für den Laien ist es allerdings nicht möglich, direkt zu erkennen, was nützlich ist und was nicht. Deshalb ist er auf die Hilfe vertrauenswürdiger Personen und Einrichtungen angewiesen. - Bei Lern- und Gedächtnistrainings sollte man besonders argwöhnisch sein.

   
Gehirntraining3

Lösung der Aufgabe für fluide Intelligenz: c

                                                                                                                                                                      13.05.2015