Depressivität

Es folgen

 

  1. Was ist darunter zu verstehen?
  2. Selbstbeurteilung durch die EDS
  3. Depressivität als Gegenstück zur geistigen Fitness
  4. Spezifische Maßnahmen gegen die Depressivität

  5. Braintuning.MAT als allgemeines Programm gegen die Depressivität

  6. Besonderheiten beim Braintuning.MAT in der Anwendung auf depressive Personen

 

1 Was ist darunter zu verstehen?

Viele Zustände können auf ein depressives Syndrom hinweisen. Meist kommen mehrere nebeneinander vor: Gefühl der Traurigkeit oder der inneren Leere, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, gemindertes Selbstvertrauen, Unfähigkeit sich zu entscheiden, Antriebslosigkeit, mangelnde Leistungsfähigkeit, innere Unruhe und einiges mehr. Bei 14 Prozent der deutschen Erwachsenen erreichen sie innerhalb eines Jahres ein solches Ausmaß, dass die Betroffenen als krankhaft depressiv gestört gelten (Der Bundesgesundheitssurvey (GHS-MHS)).  

 

Eine einfache, durch viele wissenschaftliche Studien in der Nützlichkeit belegte Einteilung fasst viele der zur Depressionssymptomatik gehörigen Merkmale in die zwei folgenden weitgehend unabhängigen Gruppen zusammen: Depressive Stimmung und Antriebsminderung.  

Auch bei der nachfolgenden Erlanger Depressions-Skala (EDS) ergab sich nach Analysen der Daten von Patientengruppen mit verschiedenen Depressionsformen (reaktive, neurotische, körperlich begründbare, zyklothyme Depression) diese Unterteilung.

 

2 Selbstbeurteilung durch die EDS  

EDS*

*Lehrl S, Gallwitz A (1983) Erlanger-Depressions-Skala.Vless, Ebersberg, 3. Aufl.

(c) Vless Verlag, Ebersberg, 1983   

 

Falls Sie sich hinsichtlich der Depressivitätsausprägung einschätzen wollen, gehen Sie der Reihe nach die Aussagen durch und schreiben Sie sich die dahinterstehende Zahl heraus, die Ihr Befinden am besten kennzeichnet.   

 


stimmt genau

fast richtig

nur halb richtig

stimmt kaum

ganz falsch

Ich möchte lustig sein

0

1

2

3

4

Ich glaube, ich kann nichts leisten

4

3

2

1

0

Ich möchte weinen

4

3

2

1

0

Ich möchte etwas unternehmen

4

3

2

1

0

Ich bin traurig

4

3

2

1

0

Ich möchte mir etwas antun

4

3

2

1

0

Ich fühle mich nicht wohl

4

3

2

1

0

Ich mag mich selbst nicht mehr

4

3

2

1

0

Ich kann mich nicht entscheiden

4

3

2

1

0

Auswertung: Zählen Sie die gelb markierten Ziffern zusammen. Die Summe bezieht sich auf die depressive Stimmung.

Tun Sie das Gleich mit den rosa markierten Ziffern. Deren Summe steht für die Antriebsminderung.

Bilden Sie außerdem die Gesamtsumme, also Summe der gelb markierten Ziffern plus die Summe der rosa markierten Summe. 

 

Interpretation: Die erste Aussage in der EDS wird nicht gewertet. Typischerweise wollen depressive Personen übrigens lustig sein. Sie können es nur nicht.

Den Schweregrad können Sie der folgenden Tabelle entnehmen. 

 

Depressive Stimmung
(Summe)


Antriebs-minderung
(Summe)



gesamte depressive Symptomatik
(Summe)


Ausprägung der Schwere


0-3


0-2


0-5


keine


4-5


3-4


6-9


fraglich


6-9


5-7


10-16


leicht


10-13


8-10


17-24


mittel


14-16


11-14


25-32


schwer

3 Depressivität als Gegenstück zur geistigen Fitness

WebgeistigeFitnessDepressivität
Hinweis: Geistige Fitness ist nur teilweise mit geistiger Leistungsfähigkeit gleichzusetzen

Die depressive Symptomatik bildet, wenn man es mit den Merkmalen der geistigen Fitness vergleicht ("--- Maßnahmen gegen Defizite", Abbildung 3), im Großen und Ganzen den Gegenpol: Je schwerer die depressive Symptomatik ist, desto weniger ausgeprägt ist die geistige Fitness.  

Im Gesamtbild der geistigen Fitness bzw. depressiven Symptomatik kann mehr die depressive Stimmung oder andererseits die Antriebsminderung betroffen sein. Dabei hängt die Antriebsminderung enger mit geistigen Leistungsminderungen zusammen als die Stimmung.

  

Die Ausprägung der depressiven Gesamtsymptomatik wie sie durch einen Fragebogen in der Art der EDS gemessen wird, unterscheidet sich zudem bei verschiedenen Grund- bzw. Begleitstörungen. Die Mehrheit der Personen mit psychogenen depressiven Störungen (v. a. reaktive, neurotische Depression) gibt eine mittelschwer und schwer ausgeprägte Depressivität an, hat aber bei geistigen Leistungsmessungen nur relativ geringe Minderungen. Aber es sind Leistungsverluste feststellbar. 

 

Bei endogener Depression liegen die Selbsteinschätzungen eher im leichten und mittelschweren Bereich, die geistigen Leistungseinbußen sind aber erheblich. Sie können sich bis zur völligen Leistungsunfähigkeit erstrecken.

  

Als Begleitsyndrom kommt die Depression auch bei vielen körperlichen Grundstörungen und -erkrankungen vor (somatogene Depression). Beispiele sind Fettleibigkeit (Adipositas), Diabetes, körperlich begründbare Bauch-, Herz-, Kopfschmerzen, anhaltende Schmerzen, Unverträglichkeit einer Zahnprothese, leichte und mittelschwere Altersdemenzen usw.  

Wenn man von den Demenzen absieht, die nach dem Wortsinn (de-mens = vom Geist, geistiger Verlust) durch geistige Leistungsminderungen aller denkbaren Schweregrade charakterisiert sind, dann liegen zwar mentale Einbußen vor, diese aber vorwiegend im sehr leichten und leichten Bereich.

Die Auswirkungen auf Schule, Beruf und Alltag können dennoch erheblich sein. So erhalten Schüler mit Inhalationsallergien wie Heuschnupfen, Hundehaar- oder Milbenkotallergie, die immer auch die Depressionssymptomatik steigern, eine Note schlechter als die allergiefreien Klassenkameraden und erreichen im Durchschnitt geringere Schulabschlüsse.    

  

4 Spezifische Maßnahmen gegen die Depressivität

Die größte Kompetenz für die genaue Diagnosestellung und spezifische Behandlung sowie Vorbeugung des Auftretens depressiver Syndrome ist von Ärzten und Psychotherapeuten zu erwarten.  

Als erste Anlaufstelle kommt der Hausarzt in Betracht. Wenn sich die Symptomatik durch seine Behandlung nach sechs Wochen nicht bessert, sollten Fachärzte (Psychiater) oder Psychotherapeuten zu Rate gezogen werden.

Die spezifischen Maßnahmen zur Behandlung und Rehabilitation umfassen  Psychoedukation, also Schulung der Betroffenen und Angehörigen im Umgang mit der psychischen Störung,  Psychotherapie und/oder Pharmakotherapie. Besonders bei stationären Aufenthalten können sie auch durch Beschäftigungstherapie ergänzt werden.

 

 

5 Braintuning.MAT als allgemeines Programm gegen die Depressivität

Die Anwendung von Braintuning.MAT-Programmen hat bei verschiedenen Studiengruppen (Schüler, Berufstätige 50+, Senioren) aus dem gesundheitlichen "Normal"bereich, bei denen die Skala für geistige Fitness (SgF) abgenommen worden war, zur Optimierung der geistigen Fitness geführt. Dementsprechend war die Depressivitätssymptomatik gesunken.  

   

In mehreren Studien an Senioren mit Verdacht auf eine Demenz und leichten bis mittelschweren Demenzsyndromen waren Messungen mit Depressionsskalen und geistigen Leistungstests durchgeführt worden. Hier ergaben sich nach Interventionen aus dem Braintuning.MAT-Programm im Durchschnitt innerhalb weniger Wochen ebenfalls Verbesserungen in der selbst- und fremdbeurteilten Depressivität und in der mentalen Leistung. Diese Senioren sind also durch Braintuning.MAT rundum geistig fitter geworden.

   

Studien von Prüfungen der Maßnahmen aus dem Braintuning.MAT-Programm an Patienten mit endogenen Depressionen oder Major Depression liegen m. W. nicht vor. Diese Maßnahmen werden aber in der Praxis bei derartigen Depressionen angewandt, und darüber werden, wenn auch nicht wissenschaftlich streng kontrollierte Erfolge berichtet.

     

Allgemein führen die verschiedenen Anwendungen von Braintuning.MAT zu dem Schluss, dass es begleitend das Depressivitätsniveau senkt und somit die geistige Fitness und Leistungsfähigkeit fördert. Wahrscheinlich hilft es auch, depressiven Wiedererkrankungen vorzubeugen.

   

Schließlich ist zu beachten, dass Braintuning.MAT nicht die oben erörterten spezifischen Maßnahmen ersetzt, dass es aber unabhängig zur Minderung der Depressivitätssymptomatik beitragen kann.    

   

      

6 Besonderheiten beim Braintuning.MAT in der Anwendung auf depressive Personen

Bei depressiven Personen sind hinsichtlich der Braintuning.MAT-Maßnahmen zwei Typen zu unterschieden:  

 

    a) Die sehr anspruchsvollen Personen, die trotz depressiver Symptomatik hohe

        Ansprüche an sich stellen und

    b) die Personen, die sich von vornherein nichts zutrauen. 

 

Wie ist mit den anspruchsvollen und ehrgeizigen Personen umzugehen? 

 

  1. Darauf aufmerksam machen, dass Braintuning.MAT zusätzliche Wirkungen zu dem anstrebt, die durch die spezifischen Maßnahmen erreicht werden sollen, die der behandelnde Arzt bzw. Psychotherapeut vorschlagen. Braintuning.MAT soll also nicht deren Empfehlungen ersetzen.
  2. Auf die Gefahr hinweisen, dass die Betroffenen durch hohe Anforderungen an sich an geistiger Leistungsfähigkeit verlieren. Durch eine Senkung der Ansprüche werden sie auf Dauer nicht nur ihre depressiven Symptome reduzieren, sondern auch mehr geistig leisten. Deshalb sollen sie mit einfachen MAT-Übungen in einer ihnen angenehmen Geschwindigkeit beginnen.
  3. Nach der Begründung in Punkt 2. die Übungen tatsächlich leicht beginnen lassen, Fehler nicht ahnden und an die Durchhalteleistung keine hohen Anforderungen stellen.
  4. Darauf aufmerksam machen, dass man sich über gelungene Leistungen freuen sollte. Dies erhöht die Lebensqualität und verändert sogar die Lebensdauer.
  5. Die Anforderungen an geistige Leistungen langsam so steigern, dass sie immer mit Freude verbunden sind.
  6. Darauf hinweisen, dass die geistige Fitness und Leistungsfähigkeit durch "gehirngerechte" körperliche Maßnahmen erheblich gestützt werden können (konkrete Vorschläge im Buch "Brain-Tuning"), dass bei derartigen Maßnahmen wie Änderungen der Essens- und Trinkgewohnheiten aber immer auch der behandelnde Arzt bzw. Psychotherapeut einbezogen werden soll.

 Wie ist mit den depressiven Personen umzugehen, die sich von vornherein nichts zutrauen und die tatsächlich auch nur wenig leisten können?

 

  1.  Darauf aufmerksam machen, dass Braintuning.MAT zusätzliche Wirkungen zu dem anstrebt, die durch die spezifischen Maßnahmen erreicht werden sollen, die der behandelnde Arzt bzw. Psychotherapeut vorschlagen. Braintuning.MAT soll also nicht deren Empfehlungen ersetzen.
  2. Die Übungen leicht beginnen lassen, Fehler nicht ahnden und an die Durchhalteleistung keine hohen Anforderungen stellen.
  3. Darauf aufmerksam machen, dass man sich über gelungene Leistungen freuen sollte.
  4. Die Anforderungen an geistige Leistungen langsam so steigern, dass sie immer gut bewältigbar sind.
  5. Darauf hinweisen, dass die geistige Fitness und Leistungsfähigkeit durch "gehirngerechte" körperliche Maßnahmen erheblich gestützt werden können (konkrete Vorschläge im Buch "Brain-Tuning"), dass bei derartigen Maßnahmen wie Änderungen der Essens- und Trinkgewohnheiten aber immer auch der behandelnde Arzt bzw. Psychotherapeut einbezogen werden soll.

                                                                                                                                                                             24.05.2015