Wie lässt sich ein Leben in individuell hoher geistiger Fitness sichern?        

Es folgen

 

  1. MAT nur zum Warming-up
  2. Geistige Anforderungen durch gewohnte Beschäftigungen
  3. Durch adaptives mentales Training individuell hohe Leistungen sichern
  4. Abschließendes Herunterfahren des Arbeitsspeichers zur Erholung und Vermeidung von Distress
  5. Zur Ausschöpfung der geistigen Potenziale durch Trainings des Arbeitsspeichers 

 

 

1 MAT nur zum Warming-up

 

Der Zweck von MAT-Übungen besteht primär darin, den Arbeitsspeicher hochzufahren, d. h. ihn auf ein für den Übenden hohes Niveau zu bringen. Wenn er hochgefahren ist, fällt es viel leichter und bereitet mehr Spaß als zuvor, sich schwierigen Aufgaben zu widmen und sie schnell zu bewältigen.

Was nach Beendigung einer MAT-Übungsphase geschieht, gehört nicht mehr zum eigentlichen MAT. Aber es wirkt sich zusätzlich darauf aus, welches Niveau der Arbeitsspeicher in den nächsten Tagen und Wochen erreichen kann.

 

2 Geistige Anforderungen durch gewohnte Beschäftigungen 

Am verbreitetsten dürfte sein, sich am Ende einer MAT-Übungsphase

den gewohnten Beschäftigungen zuzuwenden. Je nach den Anforderungen, die diese an den Arbeitsspeicher stellen, sind verschiedene Folgen zu erwarten:

 

  1. Bei geistig unterfordernden Tätigkeiten verringert sich die Kapazität des Arbeitsspeichers: die maximal erreichbare Schnelligkeit und Komplexität des Denkens nehmen ab. Anspruchsvollere geistige Aufgaben, die sich in früheren Zeiten noch bewältigen ließen, führen dann zur Überforderung, zum Distress.
  2. Bei geistig hin und wieder den Arbeitsspeicher voll fordernden Tätigkeiten, erhält sich die Kapazität des Arbeitsspeichers nachhaltig. Personen, die zuvor noch nicht ihre mentalen Leistungspotenziale ausgeschöpft hatten, können sogar mit einer Steigerung des Arbeitsspeichervermögens mit all seinen Konsequenzen wie zum Beispiel Erhöhungen des IQ rechnen.

In Berufen und im Alltag mit viel Routine trifft 1. zu. Da diese sehr verbreitet sind, nehmen die Kapazitäten des Arbeitsspeichers bzw. seiner Komponenten "Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit" und "Merkspanne" bei der Mehrheit der Erwachsenen mit zunehmendem Alter ab (siehe "2. Die geistigen Fitmacher der Gesellschaft").

Geistig hin und wieder bis an die Kapazitätsgrenzen gehende Aktivitäten fordern die Schule, das Studium, einige Berufe und Situationen im Alltag. Durch tägliche bis an die Kapazitätsgrenzen reichende Belastungen des Arbeitsspeichers lässt sich ein individuell hohes geistiges Leistungsniveau erreichen und halten.

 

3 Durch adaptives mentales Training individuell hohe Leistungen sichern

Wer die persönliche geistige Auslastung nicht dem Zufall überlassen will, kann Übungen durchführen, die im Bereich der mentalen Leistungsgrenzen liegen. Durch bestimmte Aufgaben, die sich besonders einfach mit Hilfe von Computern abnehmen lassen, tastet man sich an die individuellen Leistungsgrenzen heran (siehe das Beispiel einer adaptiven Merkspannen-Übung in der folgenden Abbildung).

 

Adaptive Merkspannen-Übung
Durch adaptives geistiges Training zur individuellen Hochleistung

 

AMT-Übung IVG
AMT-Übung für die IVG

Bei Übungen zur Informationsverar-beitungsgeschwindigkeit versucht man hingegen, so schnell wie möglich zu sein, ohne in Hektik zu geraten bzw. ohne Fehler zu begehen.

       

Allein der Vorgang des Herantastens an die eigene Grenze stellt volle geistige Anforderungen. Wegen dieser Anpassung werden die Aufgaben als "adaptive geistige (bzw. mentale oder kognitive) Aufgaben" und die Aktivitäten als "adaptive geistige Tätigkeiten" bezeichnet. Ihre nachhaltige Wirkung über den Zeitbereich von drei und sechs Monaten wurde durch wissenschaftliche Studien für Schulkinder, junge und ältere Erwachsene durch schwedische, britische und US-amerikanische Forschungsgruppen belegt. In anderen Worten: Die mentale Beanspruchung im Grenzbereich der Leistungsfähigkeit ist der eigentliche IQ-Förderer.  - Da allerdings die Übungen mit MAT-Aufgaben typischerweise zur geistigen Hochleistung führen, trägt auch MAT zur nachhaltigen IQ-Förderung bei.  

Belegliteratur zur Wirkung adaptiver geistiger Aktivitäten
Brehmer Y, Westerberg H, Bäckman L (2012) Working-memory training in younger and older adults: Training gains, transfer, and maintenance. Frontiers in Human Neuroscience 6 (Artikel 63) S. 1-7.
Green CT et al. (2012) Will Working Memory Training Generalize to Improve Off-Task Behavior inChildren with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder? Neurotherapeutics, 3. Juli [Epub ahead of print]
Holmes J, Gathercole SE, Dunning DL (2009) Adaptive training leads to sustained enhancement of poor working memory in children. Developmental Science 12: F9-F15.

In den Studien forderten sich die Versuchspersonen in einer Tagesübung 20 bis 30 Minuten lang mehrfach in ihrem individuellen Grenzbereich. Eine Arbeit aus dem Heft 6 (2012) von GEISTIG FIT geht darauf näher ein.

Als weiteres Beispiel folgt eine Studie an Erwachsenen.

 

Bis an die Grenzen gehen
Das adaptive geistige Training hat nachhaltige Wirkungen in verschiedenen Gebieten (Transfer)

Falls weder die Anforderungen des Lebens den Arbeitsspeicher voll auslasten noch adaptive Übungsaufgaben vorliegen, lassen sich ersatzweise mehrere MAT-Aufgaben hintereinander durchführen. Während die Auseinandersetzung mit der ersten Übung, also der eigentlichen MAT-Phase, typischerweise gemütlich, auf einem unterfordernden Niveau beginnt, sollten die nächsten Aktivitäten schnell bzw. auf einer schwierigen Stufe durchgeführt werden.

In diesem Sinne lassen sich die Übungsseiten der hinteren Teile der GEISTIG FIT-Hefte (siehe "MAT-Übungen für mehr als zwei Wochen" oder www.gfg-online.de) für beide Zwecke nutzen, d. h. anfänglich zur mentalen Aktivierung und gleich danach - durch die rasche Bearbeitung zusätzlicher Seiten - zur nachhaltigen Förderung der geistigen Fitness.

Es wird der Zweck eines zurzeit in Entwicklung befindlichen Adaptiven Mentalen Trainings (AMT) sein, derartige individuelle geistige Hochleistungsübungen und die Nutzung von geistig intensiv fordernden, aber nicht überfordernden Anforderungen in Schule, Beruf und Alltag weiter zu entwickeln.  

 

4 Abschließendes Herunterfahren des Arbeitsspeichers zur Erholung und Vermeidung von Distress  

Adaptive mentale Aktivitäten - entweder spezifische Übungen oder Tätigkeiten in Schule, Beruf und Alltag - verbrauchen viel Energie. Deshalb sollte vor dem Eintreten von Ermüdungs- oder gar Erschöpfungserscheinungen der Arbeitsspeicher wieder heruntergefahren werden, zum Beispiel durch Mentales Relaxations-Training (MRT). Anschließend kann er wieder hochgefahren werden.

Die folgende Abbildung gibt diese Abfolge der drei Phasen im Schema wieder, die zu einem adaptiven mentalen Aktivitätszyklus gehören:

 

  1. Arbeitsspeicher hochfahren, z. B. durch MAT-Übungen
  2. Arbeitsspeicher auf hohem Niveau durch adaptive mentale Aktivitäten beschäftigen
  3. Arbeitsspeicher herunterfahren, z. B. durch MRT 

 

Adaptive mentale Aktivität
Mentaler Aktivitätszyklus für geistige Hochleistungen und psychische Stabilität

 

Wer in der eigenen Lebensführung diesen adaptiven mentalen Aktivitätszyklus berücksichtigt, kann individuell sehr hohe geistige Leistungen bei ausgeprägter psychischer Stabilität verbunden mit Freude und Aktivitätslust erbringen. Gleichzeitig reduziert sich die Gefährdung durch Distress, und es werden negative Gefühle wie Unlust vermieden.

 

 

MAT-AMT-MRT - gemeinsame Wirkung

 

5 Zur Ausschöpfung der geistigen Potenziale durch Trainings des Arbeitsspeichers

Jede Phase des mentalen Aktivitätszyklus´ liefert einen eigenen Beitrag zur Ausschöpfung der individuellen (fluiden)Intelligenzpotenziale.

 

Da inzwischen viele Studien erhebliche IQ-Steigerungen bei der Mehrheit der Bevölkerung nachweisen – bei Schülern, AZUBIs, Berufstätigen, Personen im Ruhestand, bei Gesunden und noch mehr bei Kranken (siehe Literatur und Links) – lässt sich schließen, dass viele Menschen ihre geistigen Leistungspotenziale bei weitem nicht ausschöpfen. Dadurch vergeben sie viele Vorteile in der Wissensgesellschaft. Durch MAT, AMT und MRT zusammen gelangen sie jedoch viel dichter an die Grenze ihrer Möglichkeiten, als durch jede der Trainingsarten allein oder in Zweier-Kombinationen. Zusätzliche Möglichkeiten sind dann im körperlichen Bereich zu suchen, bei der Ernährung, Bewegung usw. (siehe Abbildung).

                                                                                                                                                             20.05.2015